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1.500 zum Tode Verurteilte treten in Ghezel Hesar in einen Massenhungerstreik

Häftlinge, die während des angeblichen Ghezel in einem Flur saßen

Ein Gefängnisflur ist zum Schauplatz eines dringenden Appells um Leben geworden. Von iranischen Menschenrechtsgruppen verbreitete Videos zeigen Reihen von Häftlingen, die gemeinsam im Ghezel-Hesar-Gefängnis sitzen, Schilder mit der Aufschrift “Nein zu Hinrichtungen” hochhalten und die Menschen außerhalb des Gefängnisses bitten, ihre Stimme zu sein. Mindestens 1.500 zum Tode Verurteilte sollen sich einem Massenhungerstreik angeschlossen haben. Einige sind so weit gegangen, sich die Lippen zuzunähen.

Der Protest begann am 13. Juli 2026 in Block 2 des Gefängnisses Ghezel Hesar in der Nähe von Karaj, nachdem sechs wegen Drogendelikten verurteilte Häftlinge in Einzelhaft verlegt worden waren. Im Iran werden solche Verlegungen allgemein als möglicher letzter Schritt vor der Hinrichtung angesehen. Die Häftlinge verweigerten die Gefängnisverpflegung und begannen einen Sitzstreik. Bis zum 28. Juli hatte die Aktion bereits mehr als zwei Wochen gedauert, obwohl Berichte über sich verschlechternde Gesundheitszustände vorlagen und keine substanzielle Reaktion seitens der Gefängnisleitung erfolgte.

Was ist bestätigt und was wird weiterhin gemeldet?

„The Guardian“ berichtete am 28. Juli, dass sich mindestens 1.500 zum Tode verurteilte Häftlinge an dem Hungerstreik beteiligten. Die Zeitung wertete Filmmaterial aus, das von Menschenrechtsgruppen veröffentlicht worden war. Ein Video zeigt einen Häftling, der erklärt, er nähe sich die Lippen zu, da die Behörden nach sechs Tagen noch nicht reagiert hätten. Ein weiteres Video dokumentiert einen Aufruf zu dringender medizinischer Hilfe für Häftlinge, deren Zustand sich angeblich verschlechterte.

Das Bildmaterial und die Berichte stammen von Gefangenen und Menschenrechtsnetzwerken, nicht von unabhängigen Beobachtern innerhalb von Ghezel Hesar. Der Verein Welle betrachtet daher das Ausmaß des Protests, das Zunähen von Lippen und die angebliche Verweigerung des Zugangs zu medizinischer Versorgung als schwerwiegende Vorwürfe, die einer unverzüglichen unabhängigen Überprüfung bedürfen. Die Gefängnisbehörden haben keine transparenten öffentlichen Informationen zur Gesundheit der Gefangenen oder zu den Vorwürfen bereitgestellt.

Hungerstreikenden darf die medizinische Versorgung nicht vorenthalten werden

Ein Häftling in einem der Videos berichtet, dass die Wärter eine Tür nicht öffnen wollten, damit schwer erkrankte Männer in die Gefängniskrankenstation gebracht werden konnten. Sollte dies zutreffen, stellt dies ein schwerwiegendes Problem hinsichtlich des Schutzes der Häftlinge dar. Inhaftierte stehen unabhängig von den gegen sie erhobenen Anklagen oder verhängten Strafen unter der Obhut des Staates. Sie haben ein Recht auf rechtzeitige medizinische Untersuchung, eine dem klinischen Bedarf entsprechende Behandlung sowie Schutz vor grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung.

Hungerstreiks bringen komplexe medizinische und ethische Verantwortlichkeiten mit sich. Gefangene dürfen nicht für friedlichen Protest bestraft, zu gesundheitsschädlichen Behandlungen gezwungen oder daran gehindert werden, vertraulich qualifizierte medizinische Fachkräfte aufzusuchen. Je länger ein Hungerstreik andauert, desto größer ist die Gefahr von Dehydrierung, Organschäden, Bewusstlosigkeit und bleibenden Behinderungen. Das Zunähen der Lippen birgt zusätzlich das Risiko von Infektionen und Verletzungen. Der Zugang zu unabhängiger medizinischer Versorgung ist daher dringend erforderlich und keine Option.

Teil der umfassenderen Kampagne “Nein zu Hinrichtungen”

Der Hungerstreik in Ghezel Hesar ist kein Einzelfall. Er steht im Zusammenhang mit einer breiteren, von Gefangenen angeführten Bewegung gegen die Todesstrafe im Iran. Seit Januar 2024 beteiligen sich Gefangene in zahlreichen Gefängnissen an wöchentlichen Protesten unter dem Motto “Dienstags gegen Hinrichtungen”. Diese friedlichen Aktionen haben die Aufmerksamkeit auf Hinrichtungen von Demonstranten, politischen Gefangenen, wegen Drogendelikten Verurteilten und anderen schutzbedürftigen Häftlingen gelenkt.

Der aktuelle Streik rückt insbesondere die in Drogenfällen verurteilten Todeskandidaten in den Fokus. Iran Human Rights teilte der Zeitung „The Guardian“ mit, dass im Iran im Jahr 2026 bis zum 28. Juli mindestens 424 Hinrichtungen verzeichnet worden seien, wobei es sich in den meisten Fällen um Verurteilungen im Zusammenhang mit Drogen handelte. Die Organisation berichtete zudem, dass viele der Verurteilten arm und ausgegrenzt seien und dass einige Fälle auf Geständnissen beruhten, die angeblich unter Folter erzwungen worden seien, oder ohne nennenswerten Zugang zu einem Anwalt verhandelt würden.

Diese Zahlen und Vorwürfe müssen unabhängig untersucht werden. Das Muster, das sich daraus abzeichnet, wirft jedoch grundlegende Fragen hinsichtlich des Rechts auf Leben und auf faire Gerichtsverfahren im Iran auf. Ein Todesurteil ist unumkehrbar. Wenn Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, der Zugang zu Rechtsbeistand eingeschränkt ist oder ein Geständnis möglicherweise erzwungen wurde, wird das Risiko eines unumkehrbaren Justizirrtums unerträglich hoch.

Warum dies für Leser in der Schweiz von Bedeutung ist

Für die Menschen in der Schweiz mag diese Geschichte geografisch weit entfernt erscheinen, doch die Grundsätze sind uns sehr vertraut: Menschenwürde, Schutz des Lebens, Zugang zur Justiz und medizinische Versorgung für jede inhaftierte Person. Die Botschaft der Gefangenen ist kein Aufruf, Verbrechen oder das Leid der Opfer zu ignorieren. Es ist die Forderung, dass eine Strafe niemals Grundrechte entziehen darf und dass niemand nach einem ungerechten oder undurchsichtigen Verfahren hingerichtet werden darf.

Der Protest zeigt auch, warum Gefangene nicht aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden dürfen. Hinter der Zahl 1.500 stehen Menschen mit Familien, gesundheitlichen Bedürfnissen und Rechtsfällen, die einer sorgfältigen Prüfung bedürfen. Auf ihre friedliche Aktion sollte mit Schutz und Dialog reagiert werden, nicht mit Isolation, Vergeltungsmaßnahmen oder der Verweigerung von medizinischer Versorgung.

Welles Aufgabe: dafür sorgen, dass die Gefangenen im Blickfeld bleiben

Der Verein Welle ist eine unabhängige Schweizer Menschenrechtsorganisation. Unsere Aufgabe ist es, glaubwürdige Berichte zu dokumentieren, verifizierte Informationen von bloßen Anschuldigungen zu unterscheiden, bedrohte Gefangene sichtbar zu machen und dazu beizutragen, dass Fälle, die andernfalls hinter Gefängnismauern verborgen blieben, internationale Aufmerksamkeit erhalten. Wir informieren die Zivilgesellschaft in der Schweiz, bewahren den menschlichen Kontext hinter den Statistiken und unterstützen dringende Sensibilisierungsbemühungen mit den Schwerpunkten Recht auf Leben, faire Gerichtsverfahren und Schutz von Gefangenen.

Welle behauptet nicht, dass Bewusstsein allein eine Hinrichtung verhindern kann. Doch eine kontinuierliche Dokumentation und öffentliche Aufmerksamkeit können die Arbeit von UN-Experten, internationalen Beobachtungsgremien, Anwälten, Angehörigen und Menschenrechtsaktivisten stärken. Schweigen führt dazu, dass Gefangene noch isolierter werden. Verantwortungsbewusste Aufmerksamkeit kann Raum für Kontrolle und Schutz schaffen.

Jetzt sind dringende internationale Maßnahmen erforderlich

Der Verein Welle fordert den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, den Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zur Menschenrechtslage im Iran, die zuständigen Sonderverfahren der Vereinten Nationen sowie internationale medizinische und Haftüberwachungsgremien auf, unverzüglich Zugang zu den Hungerstreikenden zu erwirken. Ihr Gesundheitszustand, ihr Aufenthaltsort und ihre Behandlung müssen unabhängig überprüft werden. Jeder Häftling, der medizinische Versorgung benötigt, muss diese unverzüglich erhalten, und kein Teilnehmer darf wegen friedlicher Proteste bestraft werden.

Die Vereinten Nationen und die zuständigen internationalen Institutionen sollten zudem auf eine sofortige Aussetzung der sechs angedrohten Hinrichtungen, die den Streik ausgelöst haben, auf ein Moratorium für alle Hinrichtungen sowie auf eine unabhängige Überprüfung der Todesurteile drängen, bei denen Vorwürfe wegen Folter, erzwungener Geständnisse oder der Verweigerung eines Rechtsbeistands vorliegen. Die Gefangenen haben ihre Botschaft unmissverständlich zum Ausdruck gebracht: “Nein zu Hinrichtungen.” Die verantwortungsvolle Reaktion besteht darin, dringend Schutzmaßnahmen zu ergreifen, eine transparente Überprüfung durchzuführen und Maßnahmen zu ergreifen, bevor weitere Menschenleben verloren gehen.

Quellen und redaktioneller Hinweis

In diesem Artikel wird zwischen offiziellen Stellungnahmen und Vorwürfen sowie Berichten von Menschenrechtsorganisationen unterschieden. Da der unabhängige Zugang zu Gefängnissen und Gerichtsakten eingeschränkt ist, konnten einige Details vom Verein Welle nicht unabhängig überprüft werden.

Quelle: The Guardian, “Häftlinge in Irans größtem Gefängnis nähen sich im Hungerstreik die Lippen zu, während die Zahl der Hinrichtungen sprunghaft ansteigt” (28. Juli 2026)

Quelle: HRANA, “Der Hungerstreik der Häftlinge in Ghezel Hesar geht in den zehnten Tag’ (23. Juli 2026)

Quelle: UN-Experten: Stellungnahme zu Hinrichtungen und von Häftlingen angeführten Protesten (27. Juli 2026)

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