Eine Freiheitsstrafe nimmt einem Menschen nicht seine Menschenwürde. Sie hebt nicht das Recht auf sauberes Wasser, sichere sanitäre Einrichtungen, Gesundheitsversorgung oder Schutz vor Krankheiten auf.
Ein aktueller Bericht aus dem Fardis-Gefängnis in Karaj beschreibt jedoch, dass weibliche Häftlinge unter Bedingungen leben, die ihre Gesundheit und ihr Leben ernsthaft gefährden könnten.
In einer am 17. August 2026 veröffentlichten Erklärung erklärte die Frauenausschuss des Nationalen Widerstandsrats des Iran Es wurde berichtet, dass Abwasser in den Freizeithof von Station 1 übergelaufen sei.
Der Erklärung zufolge tritt das Problem während der intensiven Sommerhitze auf, Häftlinge sind erkrankt, und die Gefängnisbehörden haben es versäumt, eine angemessene medizinische Versorgung sicherzustellen.
In dem Bericht werden Masoumeh Senobari, Atefeh Hassani und Fatemeh Nadi Dastgirdi als politische Gefangene genannt, die in dieser Abteilung inhaftiert sind. Außerdem heißt es darin, dass die Gefangenen wiederholt gegen die Haftbedingungen protestiert hätten, die notwendigen Reparaturen jedoch noch nicht durchgeführt worden seien.
Der Verein Welle kann die Haftanstalt nicht eigenständig inspizieren oder jedes Detail des Berichts überprüfen. Der Zugang zu iranischen Haftanstalten unterliegt strengen Beschränkungen. Diese Behauptungen müssen daher eindeutig ihrer Quelle zugeordnet werden.
Doch der eingeschränkte Zugang ist kein Grund, untätig zu bleiben. Genau aus diesem Grund müssen die Vereinten Nationen dringend um einen unabhängigen Zugang ersuchen.
Ein Gesundheitsrisiko, das mit jedem heißen Tag zunimmt
Überlaufendes Abwasser ist nicht nur ein unangenehmes Wartungsproblem. Es kann Menschen Bakterien, Parasiten und Viren aussetzen und Oberflächen, Wasser sowie Wohnräume verunreinigen.
In einem überfüllten Gefängnis, in dem die Menschen den Raum nicht verlassen oder auf andere Sanitäranlagen ausweichen können, kann sich das Risiko rasch ausbreiten.
Extreme Hitze verschärft die Gefahr. Hohe Temperaturen können Dehydrierung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Infektionen verschlimmern.
Ältere Häftlinge sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen sind möglicherweise besonders großen Risiken ausgesetzt. Auch Medikamente können bei unkontrollierten Temperaturen an Wirksamkeit verlieren oder lassen sich schwerer sicher lagern.
Häftlinge sind in Bezug auf Belüftung, Wasserversorgung, Reinigung, Medikamente und Zugang zu Ärzten vollständig von den Behörden abhängig. Wenn die Behörden diese grundlegenden Leistungen nicht gewährleisten, haben die Inhaftierten keine sichere Möglichkeit, sich selbst zu schützen.
Das Frauenkomitee des NCRI behauptet, dass kranken Frauen die Behandlung verweigert wurde und dass Beamte einen Mangel an finanziellen Mitteln geltend machten, als Gefangene Reparaturen forderten.
Weiter heißt es darin, dass die Maßnahmen von möglichen Spenden von Gönnern abhängig gemacht wurden.
Diese Vorwürfe müssen noch unabhängig überprüft werden, doch die rechtliche Verantwortung des Staates ist eindeutig: Die Grundversorgung mit sanitären Einrichtungen und medizinischer Versorgung in einer Haftanstalt darf nicht auf die Gefangenen, ihre Familien oder private Spender übertragen werden.
Was internationale Standards vorschreiben
Die Standard-Mindestregeln der Vereinten Nationen für die Behandlung von Gefangenen, bekannt als die Nelson-Mandela-Regeln, besagen, dass alle Gefangenen unter Achtung ihrer angeborenen Würde und ihres Wertes als Menschen behandelt werden müssen.
Die Vorschriften sehen vor, dass Haftunterkünfte den gesundheitlichen Anforderungen entsprechen müssen, darunter eine ausreichende Luftzufuhr, ausreichend Platz, Beleuchtung und Belüftung.
Die sanitären Einrichtungen müssen es den Gefangenen ermöglichen, ihre Bedürfnisse auf saubere und menschenwürdige Weise zu befriedigen. Die Gefangenen müssen außerdem ohne Diskriminierung Zugang zu Trinkwasser und medizinischer Versorgung haben.
Die UN-Regeln von Bangkok zusätzliche Standards festlegen, die den besonderen Bedürfnissen weiblicher Häftlinge Rechnung tragen.
Zusammen legen diese Vorschriften einen wichtigen Grundsatz fest: Die Gesundheitsversorgung im Strafvollzug liegt in der Verantwortung des Staates, und Gefangene sollten eine Versorgung erhalten, die dem Standard entspricht, der in der Gesellschaft allgemein gilt.
Wenn Abwasser in einen Innenhof überläuft, extreme Hitze Krankheiten verschlimmert und medizinische Behandlung verweigert wird, kann dies einen Verstoß gegen mehrere dieser Mindestschutzmaßnahmen darstellen.
Eine längere Exposition gegenüber solchen Bedingungen könnte zudem Bedenken hinsichtlich des Verbots grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung aufkommen lassen.
Medizinische Vernachlässigung ist keine administrative Nebensache
Inhaftierte können keine eigenen Termine bei externen Ärzten vereinbaren, keine Medikamente frei kaufen und nicht in ein sichereres Gebäude umziehen.
Eine verspätete Verlegung ins Krankenhaus, eine unbeantwortete Bitte um Pflege oder die Weigerung, die Sanitäranlagen zu reparieren, können daher Folgen haben, die weit über gewöhnliche administrative Nachlässigkeit hinausgehen.
In Frauengefängnissen müssen die Behörden zudem den Zugang zu geschlechtsspezifischer medizinischer Versorgung, Hygieneartikeln für die Menstruation, psychologischer Betreuung sowie angemessener reproduktiver und schwangerschaftsbezogener Versorgung gewährleisten.
Die politische Zugehörigkeit, der rechtliche Status oder die Art der Verurteilung einer Person dürfen niemals darüber entscheiden, ob sie eine Behandlung erhält.
Meldungen über die Verweigerung von medizinischer Versorgung müssen im Einzelfall geprüft werden.
Die Behörden sollten dokumentieren, wer medizinische Hilfe angefordert hat, welche Symptome gemeldet wurden, wann ein Arzt den Patienten untersucht hat, welche Behandlung angeboten wurde und ob eine ambulante Versorgung medizinisch notwendig war.
Ohne transparente Unterlagen und unabhängigen Zugang haben Gefangene und ihre Familien weiterhin keine Möglichkeit, medizinische Vernachlässigung anzufechten.
Warum ein unabhängiger Zugang dringend erforderlich ist
Die verantwortungsvollste Reaktion besteht weder darin, den Bericht einfach abzutun, noch darin, jede Behauptung als bewiesene Tatsache wiederzugeben. Vielmehr muss eine unabhängige Überprüfung gefordert werden.
Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage im Iran und der UN-Sonderberichterstatter für Gewalt gegen Frauen und Mädchen sollten dringend Informationen über die Zustände in der Abteilung 1 des Fardis-Gefängnisses einholen.
Sie sollten sich über Folgendes informieren:
- Die Zahl der betroffenen Häftlinge
- Der Stand der Reparaturen an der Kanalisation
- Zugang zu sicherem Trinkwasser
- Lüftungs- und Kühlanlagen
- Die Identität und die Lebensumstände kranker Häftlinge
- Ärztliche Konsultationen und Verlegungen ins Krankenhaus
Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte sollte während der Untersuchung der Vorwürfe sofortige Schutzmaßnahmen fordern.
Auch die zuständigen UN-Experten in den Bereichen Gesundheit, Folter, Trinkwasserversorgung und sanitäre Einrichtungen sollten informiert werden.
Die iranischen Behörden sollten unabhängige medizinische und hygienische Inspektionen zulassen und vertrauliche Befragungen von Gefangenen ohne Repressalien ermöglichen.
Häftlinge, die Bedenken geäußert haben, müssen vor Bestrafung, Zwangsverlegung, Isolation oder dem Verlust des Kontakts zu ihren Familien geschützt werden.
Welles Rolle: verborgene Zustände sichtbar machen
Der Verein Welle arbeitet unabhängig von der Schweiz daran, Menschenrechtsprobleme zu dokumentieren und die dort herrschenden Haftbedingungen international bekannt zu machen.
Wir betrachten keine einzelne politische Quelle als maßgebend. Wir belegen Aussagen sorgfältig und setzen einzelne Fälle in Beziehung zu anerkannten internationalen Menschenrechtsstandards.
Diese Arbeit ist wichtig, weil gefährliche Haftbedingungen oft unsichtbar bleiben, bis jemand stirbt oder irreparable Schäden davonträgt.
Frühzeitige internationale Aufmerksamkeit kann dazu beitragen, dass Inspektionen, medizinische Verlegungen, Reparaturen und der Schutz von Gefangenen, die sich zu Wort melden, gewährleistet werden.
Für Schweizer Leser ist das Prinzip einfach und allgemeingültig: Eine Person, die sich in staatlichem Gewahrsam befindet, steht unter dem Schutz des Staates.
Der Verlust der Freiheit darf niemals dazu führen, dass Menschen Krankheiten, extremer Hitze oder unbehandelten Erkrankungen ausgesetzt sind.
Dringende Maßnahmen, bevor die Umstände lebensbedrohlich werden
Die gemeldeten Zustände im Fardis-Gefängnis erfordern sofortiges Handeln und keine langwierige behördliche Überprüfung.
Abwasser muss sicher abgeleitet, beschädigte Infrastruktur repariert, sauberes Wasser und eine wirksame Kühlung bereitgestellt und jeder erkrankte Häftling von qualifiziertem medizinischem Fachpersonal untersucht werden.
Jeder, der eine spezialisierte Versorgung benötigt, muss unverzüglich in eine geeignete medizinische Einrichtung verlegt werden.
Welle fordert die Vereinten Nationen und die zuständigen internationalen Institutionen auf, Zugang zu beantragen, Zeugenaussagen zu sichern und den Zustand der in Station 1 festgehaltenen Frauen zu überwachen.
Wir fordern außerdem internationale medizinische Organisationen und Organisationen für die Rechte von Gefangenen auf, diese Bedenken über ihre fachlichen Netzwerke zur Sprache zu bringen.
Bitte teilen Sie diesen Bericht und unterstützen Sie die unabhängige Dokumentation der Menschenrechtslage. Keine Frau sollte erst schwer erkranken müssen, bevor die Welt den Zuständen hinter Gefängnismauern Beachtung schenkt.